Ammendorf um 1900 - 1924 - Die Zwanziger

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1920

 

 

 

 


Nach dem Krieg verlor der AFC 1910 seine Spielstätte, weil auf dem Sportplatz Schrebergärten angelegt wurden. Die Gemeinde half dem Verein und stellte den Fichteplatz zur Sportausübung zur Verfügung. Dies war aber keine Lösung auf lange Frist, weil der Platz auch von anderen Vereinen genutzt wurde und auch für Kirmes und Jahrmarkt  zur  Verfügung stand. Die Einweihung fand mit einem Spiel gegen Adler Eisleben statt, das mit 4:3 gewonnen wurde.

 

 


13.03.
-
29.03.

 


Generalstreik gegen den Kapp-Putsch. Es kommt in Ammendorf zu Gefechten der bewaffneten Arbeiter, die die Republik verteidigen, mit der Reichswehr. Die militärische Abwehrorganisation in Ammendorf leitete Karl Meißner. Am 17.03. werden von den Reichswehrsoldaten beim Kampf um Ammendorf Karl Talatzkow und die Brüder Johann und Georg Schmidsberger erschossen. Alle drei waren Bergarbeiter aus Braunsbedra. Der Putsch wird niedergeschlagen. Viele Arbeiter behalten die Waffen. Im Verlauf dieser Ereignisse wird der evangelische Pfarrer Nihus aus Burgliebenau, der auf die Arbeiter geschossen hatte, in Ammendorf im „Goldenen Adler“ von einem Arbeitertribunal zum Tode verurteilt und im Mühlholz von Heinrich von Wiekowsky, Hermann Reinhardt und Franz Mohr erschlagen und in die Elster geworfen. Dafür wurden die drei zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt, die von ihnen verbüßt wurden. An der Stelle im Mühlholz, an der der Pfarrer Nihus erschlagen wurde, errichteten die Nationalsozialisten, Jahre später, einen Gedenkstein. In der Nacht zum 19.03. wird von bewaffneten Arbeitern die Wohnung des Betriebsleiters der Rohpappenfabrik Kamp gestürmt. Er wird erschossen, vermutlich weil er die Herausgabe von Waffen verweigerte.  

 

 


27.03.

 


Die Opfer der Arbeiter des Kapp-Putsches werden auf dem Ammendorfer Friedhof beigesetzt.

 

 


01.05.

 


Planena wird in Ammendorf eingemeindet.

 

 


05.05.

 


Pfingsten-Schneefall und Frost. Die Obsternte ist beeinträchtigt.

Im Mai kam es wegen der Benutzung des Saales für die Turnstunden mit dem Vereinswirt Fritz Helm, zu ernsten Auseinandersetzungen. Da eine Einigung nicht zustande kam, verließ der Ammendorfer Turnverein, nachdem er 36 Jahre dem Lokal die Treue gehalten hatte, dasselbe und zog nach dem „Goldenen Adler“.

 

 


01.06.

 


Radewell, Osendorf und Burg werden in die Gemeinde Ammendorf eingegliedert.

 

 


06.06.

 


Reichstagswahl

In Ammendorf wurde wie nachstehend aufgeführt gewählt:

Partei

Stimmen

Deutschnationale              

495

Deutsch. Volkspartei

389

Zentrum

46

Dtsch. Demokratische Partei

369

SPD

438

USPD

3941

KPD

144

 

 

 


Juli

 


Die Faustballmannschaft des TV Ammendorf erringt seit ihrem Bestehen erstmals den Titel des Bezirksmeisters.

 

 

 


01.12.

 


Ammendorf hat nun 11 804 Einwohner.

In Ammendorf arbeiten 13 Bäckermeister, 12 Fleischermeister, 5 Schmiedemeister, 3 Stellmachermeister, 4 Schuhmacher, 6 Gärtnereien, 1 Molkerei, mehrere Kolonialwarengeschäfte, 11 Lebensmittelgeschäfte, 30 Gaststätten.

Albert Kohlheim sen. erwirbt von Ferdinand Haverkorn die Gaststätte „Zur Warte“ und den kleinen Laden. Er betreibt den Laden und die Gaststätte bis zu seinem Tode im Jahre 1934. Frau Dora Kohlheim verpachtet die Gaststätte an Frau Frieda Böhme.

In diesem Jahr wurde die „Körnerlinde“ in Radewell mutwillig zerstört.

Der Wandergenosse Franz Probst gründete in diesem Jahr die Ortsgruppe der Naturfreunde. Er wurde ihr Obmann und blieb es bis zur Auflösung durch die NSDAP im Jahre 1933. Die Versammlungen der Naturfreunde fanden erst im „Burgschlößchen“ statt. Später erbauten sich die Naturfreunde ihr eigenes Heim auf dem Hopfenberg.

Um 1920 besitzt die Radeweller Pfarre 142 Morgen Acker, 13 Morgen Wiese und 5 Morgen Werder.

Im Straßenbahndepot Ammendorf wird die Reparaturwerkstatt durch den Anbau von Räumen vergrößert. Der Maschinenpark wird vervollständigt.

Die Häuser Brückenstraße 73-78 werden von der Grube von der Heydt für Betriebsangehörige errichtet. Auch in der „von der Heydt Straße“ (jetzt Gottfried-Lindner-Str.) entstehen Wohnhäuser.

 


1921

 


19.03.

 


Hundertschaften der Schutzpolizei besetzen unter fadenscheinigen Begründungen, wie z.B. Schutz vor Betriebsdiebstählen, Betriebe in Ammendorf, Merseburg, Schafstädt, Teutschenthal und im Mansfelder Land.

Die Bezirksleitung der VKPD Halle-Merseburg gab daraufhin einen Aufruf heraus:

„Nicht durch Demonstrationen könnt ihr diesen Kampf führen. Verweigert eure Arbeitskraft überall dort, wo man eure Arbeitsstätte durch Militär oder Sipo besetzt. Duldet nicht, dass eure friedliche Wohnstätte ein Aufmarschgelände der Konterrevolution wird.  Arbeiter! Arbeiterinnen! Eine schwere Entscheidung liegt vor euch. Zeigt euch würdig der historischen Stunde. Seid freie Männer, keine Sklaven.“

 

 


20.03.

 


In den meisten der Ammendorfer Fabriken finden Betriebsversammlungen statt. Sie beschließen, bei Besetzung durch die Schutzpolizei sofort die Arbeit niederzulegen.

 

 


21.03.

 


Für den Mansfelder Raum wurde der Generalstreik beschlossen. Der Großteil der Belegschaften der Riebeck’schen Montanwerke AG ( Halle ) treten ebenfalls in den Streik

 

 


22.03.

 


Es kommt zu Zusammenstößen mit der Polizei. Das war der Beginn der bewaffneten Auseinandersetzung.

 

 


24.03.

 


Der Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) verhängt den Ausnahmezustand über die Provinz Sachsen.

 

 


28.03.

 


Ammendorf wird von den Arbeitertruppen unter Führung von Max Hoelz besetzt. Hier wollte sich Max Hoelz mit den bewaffneten Leuna-Arbeitern vereinen, um gemeinsam gegen die Schupo-Einheiten in Halle zu ziehen. Diese Vereinigung misslang. Bei den weiteren Aktionen wurde eine Schupo-Einheit auf dem Beesener Gut von den Arbeitern eingeschlossen. Das Postamt, der Bahnhof, die Eisenbahnbrücke wurden durch Sprengung teilweise beschädigt. Das Stellwerk wurde zerstört. Karl Meißner sen. ist als Kurier eingesetzt. Weiteren Schupo-Einheiten aus Halle gelang die Befreiung der Eingeschlossenen. Der Kampf verwandelte sich in einen harten Häuserkampf, in dem die Arbeiter von der Ammendorfer-Bevölkerung aktiv unterstützt wurden. In diesen erbitterten Gefechten fielen 30 Arbeiter und 70 wurden gefangen genommen. Am Bahndamm der Kasseler-Bahn verteidigten sich die Arbeiter gegen 6 Polizeihundertschaften, die dann mit Geschützunterstützung den Widerstand der Arbeiter brachen.

In Radewell wurde in  der Regensburger Straße der 15- jährige Lehrling Karl Meißner von der Polizei erschossen. Es ist der Sohn des Radewellers Karl Meißner. Von der Ammendorfer Jugend wurde an dieser Stelle 1949 eine Gedenktafel angebracht. Diese Gedenktafel wurde 1989  entfernt.

Neben Max Hoelz  ist Karl Plättner ein bekannter Führer einer Kampfgruppe der bewaffneten Arbeiter. Am Morgen des Ostermontages überfällt er mit vier Mann, bewaffnet mit Karabinern und Handgranaten die Chemische Fabrik Buckau in Ammendorf und erbeutet 33 000,- RM und Platinbestände im Wert von 60 000,- RM. Bei dieser Aktion gab er sich als Max Hoelz aus und hinterließ eine Quittung mit der Unterschrift „ Bezahlt Max Hoelz.“  Es war nicht das erste Mal, das sich Karl Plättner als Max Hoelz ausgab, um seinen Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen.

Zu der Kampfgruppe Plättner gehörten u.a. Karl Meißner (Schmied aus Radewell), Paul Töpfer (Maurer aus Bruckdorf), Alfred Menzel (Monteur aus Halle), Walter Hölzel (Maurer aus Dresden), Friedrich Lewandowsky (Bauarbeiter aus Berlin), Friedrich Fischer (Schlosser aus Berlin), Oskar Jandke (Maschinenarbeiter aus Caputh), Karl Hess (Metallarbeiter aus Berlin), Karl Reimann (Gürtler aus Halle), Otto Giesecke (Maschinist aus Ammendorf), Otto Neitzel (Buchhändler-Gehilfe aus Leipzig), Martha Ebert (Fabrikarbeiterin aus Halle), Martha Gaiewski.

 

 


29.03.

 


Bei Gröbers kam es zu einem Gefecht mit der Schutzpolizei in deren Verlauf diese Truppe zurückgeschlagen werden konnte. Der Kampf hatte der Schupo-Einheit 11 Tote (darunter 2 Offiziere) und 10 Verwundete gekostet.

Die Märzkämpfe in Mitteldeutschland forderten ca. 145 Opfer auf Seiten der Arbeiterinnen  und Arbeiter. 6 000 wurden eingekerkert und 4 000 von ihnen zu insgesamt 3 000 Jahren Zuchthaus oder Gefängnisstrafen verurteilt.

 

 


01.06.

 


Der Ammendorfer Kanu-Club wird gegründet .Die Farben des Clubs sind weiß-grün. Das Clubabzeichen ist ein Wimpel in diesen Farben mit den Initialen A.K.C.

Der TV Ammendorf  hat eine Knabenabteilung mit 30 Jungen ins Leben gerufen. Sie wird von Otto Wilde geleitet.

 

 


Juli

 


Zum Bezirksturnfest tritt der TV Ammendorf mit 85 Teilnehmern an. Sieger der 1.Stufe werden Fritz Opfermann und Hermann Schröter. Sieger der 2. Stufe sind Otto Zimmermann und Paul Zimmermann. 

 

 


13.10.

 


Die Kampfgruppe Karl Plättner überfällt am helllichten Tage das Büro im Tagebau Bruckdorf (Alwiner Verein) und erbeutet 101 530,- Mark. Die versehentlich mitgenommene Sparbüchse mit dem Notgeld der Gewerkschaft wird dem Kassenführer der „Grube Alwine“ Ehricht am 29.10.1921 zurückgegeben.

Die Gemeinde Ammendorf hat eine Berufsschule mit hauptamtlich tätigen Lehrern aufgebaut.

Auf dem Betriebsgelände des Straßenbahndepots Ammendorf wurde ein Wohnhaus mit sechs Betriebswohnungen fertig gestellt.

Der Wohnungsbau geht weiter, die Häuser in der Brückenstraße 67-72 und 91-94, Siedlerstraße 1-8 und Kanenaer Straße 1-31 (ungerade Hausnummern) werden errichtet.

 


1922

 

 

 


Inflation. Die Kleinhandelspreise steigen ins Unermessliche. Einige Beispiele:

Ware

500 g

1914

(Mark)

Juni 1922

(Mark)

Dez. 1922

(Mark)

10.02.1923

(Mark)

25.10.1923

(Mark)

Schweinefleisch

1,00

64,00

900

5.200

15.000.000.000

Butter

1,20

80,00

1.700

7.400

 

Margarine

0,50

40,00

1.100

5.400

 

Kartoffeln

0,03

2,30

10,00

40,00

 

Brot

0,45

22,00

5.000

22.000

6.800.000.000

 

 

 


03.02.

 


Karl Plättner und Karl Meißner werden im Gasthof „Lüdderitzberg“ in Halle von einem großen Polizeiaufgebot verhaftet. Karl Plättner wird in einem langwierigen Prozess zu 10 Jahren Haft verurteilt. Karl Meißner erhält 8 Jahre. Ihnen wird zugutegehalten, dass sie bei all ihren Überfällen niemand verletzt oder umgebracht haben.

In der Haft löst sich Karl Plättner von seinen anarchistischen Ansichten und tritt wieder der KPD bei. 1928 wird er aus der Haft entlassen. Als ehemals bekannter Kommunist wird er 1933 in ein Konzentrationslager verbracht. Er stirbt am 04.06.1945 durch das Martyrium der faschistischen KZs geschwächt und wird auf der Kriegsgräberstätte am Nagelberg in der mittelfränkischen Stadt Treuchtlingen beigesetzt. Die Grabinschrift lautet: „ Schwört ab der Gewalt und rettet den Menschen im Menschen.“

 

 


01.04.

 


Die „Männerliedertafel Ammendorf“ führt Schillers Lied von der Glocke in der Rombergischen Vertonung zum ersten Male auf.

Friedrich Rothe (SPD) wird Gemeindevorsteher in Ammendorf.

In Ammendorf herrscht Wohnungsnot. Auf dem Gelände der Munitionsanstalt auf der Silberhöhe werden in 5 Pulvermagazinen 19 Wohnungen eingerichtet. Dies ist der Beginn des Baus der so genannten „Siedlung Silberhöhe“.

In der Ellernstraße werden 2 Häuser für je 12 Familien gebaut.
In der Steinstraße baut die Firma Gottfried Lindner Wohnungen für ihre Mitarbeiter.

In der Brückenstraße und in der Kanenaer Straße geht das Baugeschehen weiter. In der Brückenstraße werden die Häuser 61-66 und in der Kanenaer Straße die Häuser 33-43 (ungerade Hausnummern) errichtet.

Die Gemeinde richtete besonders für die Bürger, die von der Arbeitslosigkeit betroffen waren, eine Armenküche und einen Aufwärmraum ein. Dies erfolgte im Gebäude des Fleischers Bauermann in der Halleschen Straße.

Nach Abbruch der Schießstände am Schützenhaus wurde dort ein neuer Fußballplatz, unter aktiver Mitwirkung der Sportler, für den AFC 1910 errichtet. Das erste Spiel fand gegen 98 Halle statt und wurde mit 0:3 verloren.

Auf der Grube von der Heydt erfolgt die Umstellung der Kohleförderung im Untertagebetrieb auf den Abbau im Tagebau.

Der Generaldirektor der Gottfried Lindner AG,  Heinrich Lindner, übergibt die Geschäftsführung des Unternehmens an Hermann Traus.

 


1923

 

 

 


Der Pfarrvikar Clemens Wittelsbach betreut die katholische Gemeinde. Zur Gemeinde gehörten 60 schulpflichtige Kinder. Der Wunsch nach einer katholischen Schule wurde immer lauter. Der Pfarrvikar  Wittelsbach fuhr wiederholt ins Eichsfeld und hielt dort Bettelpredigten um Geld für den Schulbau aufzutreiben. Die Gemeinde gründete eine eigene Baukasse. An einem Sonntag wurde im gesamten Bereich der Diözese Paderborn für die Schule kollektiert. Die größte Summe stellte der Bonifatiusverein zur Verfügung. Das Grundstück  Am Hohen Holz 20 wurde gekauft.

Das Lederkohle- und Härtemittelwerk P. Eisenschmidt beginnt mit der Produktion.

Die „Ammendorfer Mühlenwerke und Brotfabrik AG nimmt die Produktion von Spezial-Zwieback und sonstigem Feingebäck auf. Sie wird in Ammendorfer Zwieback und Mühlenwerke umbenannt. Der Vertrieb erfolgt im gesamten Deutschen Reich.

 

 


April

 


Der TV Ammendorf wird in die Arbeitsgemeinschaft der Halleschen Turnerschaft aufgenommen.

Die Inflation wird immer stärker. Der Wochenlohn eines Arbeiters reicht kaum noch für ein Brot und 250 Gramm Margarine.

 

 


21.05.

 


Das Stiftungsfest des Kaninchenzüchtervereins „Fortschritt“ findet im Burgschlößchen statt. Als Saalmiete müssen im Voraus 8 100,- M bezahlt werden. Den Einnahmen von 81 340,- M stehen Ausgaben von 61 425,- M gegenüber. Für den Erlös werden angeschafft:

  • 1 kleine Waage für 10 000,-M;
  • 3 Stempel für 395 000,- M;
  • 2 Stempelkissen für 100 000,- M;
  • 1 Brückenwaage und Gewichte für  301 500,- M.

Die Gemeinde Ammendorf kauft dem Bauer Lindner das Land hinter dem Schulhof der Radeweller Schule ab. Auf dieser Fläche wird das Gebäude der Mittelschule errichtet in das bereits 1924 die ersten Klassen einzogen.

 

 


06.05.

 


Geistliche Abendmusik in der Ammendorfer Kirche zum Gedächtnis an zwei Großmeister heiliger Tonkunst – Johann Sebastian Bach und Max Reger.

Ausführende: Erna Bönold (Alt), Walter Kleine (Violine)  Walter Riemann (Cello),

Rudolf Siebenbrodt (Orgel und Chorleitung), Karl Balthasar (Orgel). Das Programm zum Preise von 300,- Mark berechtigt zum Eintritt.

 

 


Juni

 


Rassegeflügelzüchter aus Osendorf, Radewell, Burg, Ammendorf und Beesen gründen einen Zuchtverein. Die Namen der aktiven Betreiber dieser Vereinsbildung sind nicht bekannt.

 

 


Juli

 


13. Deutsches Turnfest in München. Die Sicherung der Verpflegung der Ammendorfer Teilnehmer bereitete dem TV große Schwierigkeiten, da das Geld mit jedem Tag immer mehr und mehr entwertet wurde. Es half auch nicht viel, dass ein Turnbruder seinen schönen Schnauzbart auf dem Altar des TV opferte. Ein treffendes Bild dieser Zeit gibt uns das Ergebnis einer Sammlung in einer Vereinsversammlung, die 379 765,- Mark erbrachte und nicht zur Anschaffung eines Faustballes genügte. Die Turner erringen im Faustball die Gaumeisterschaft. Die Turnerinnen werden Gaumeister im Trommelballspiel.

Die Firma „Gottfried Lindner AG“ errichtet für ihre Mitarbeiter in der Steinstraße eine Siedlung. Die Gemeinde Ammendorf  errichtet noch 2 Zwölffamilienhäuser in der Elsterstraße. In der Brückenstraße werden die Häuser Nr. 59-60 und in der Kanenaer Str. 45-47 (unger. Hausnummern)  errichtet.  

Aus dem „Arbeiter-Gesangsverein“ spaltet sich der „Freie Männerchor Ammendorf“ ab. Chorleiter wird der Musiklehrer Engelmann. Der „Arbeiter-Gesangsverein“ besteht als „Gemischter Chor“ weiter.

Die Hallesche Bäckereimaschinen-Fabrik Rausch & Filbry Ammendorf (Hallesche Straße 141) setzt eigenes Notgeld in Umlauf. Im September Scheine zu 50 Millionen und 100 Millionen Mark, im Oktober zu 5 Milliarden und 10 Milliarden Mark. Alle Scheine waren bis zum 12.Dezember 1923 gültig.

 

 


20.11.

 


Ende der Inflation. Für 1 Billion Mark (1.000.000.000.000) erhielt man 1 Rentenmark. Geldscheine und Konten unter 1 Billion, z. B Mrd., Mio., wurden nicht umgetauscht.

Ein ungelernter Arbeiter verdiente = 0,23 RM / Std.

Ein Facharbeiter verdiente             = 0,24 RM / Std.

 

 


1924

 


22.06.

 


Festgottesdienst zur Glockenweihe in der Ammendorfer Kirche. Kästen an der inneren Kirchentüre waren zur Aufnahme von Dankopfern angebracht. Die Spenden dienten zur Begleichung der letzten Kosten für das Geläut.

Die Gemeindeverwaltung beschließt den Aufbau von Kleinwohnungen im Ellernblock.

 

 


27.07.

 


Die Schützengesellschaft Ammendorf 1905 weiht den Schießstand im Schießhaus Planena ein.

 

 


28.09./01.10.

 


In Ammendorf findet eine Gewerbe- und Industrieausstellung im“ „Goldenen Adler“ statt.

 

 


07.12.

 


Reichstagswahl

In Ammendorf entscheiden sich die Wähler wie folgt:

Partei

Stimmen

Deutschnationale Partei

1071

Deutsche Volkspartei

602

NSDAB

99

Zentrum

87

Deutsche Demokratische Partei

366

SPD

1000

USPD

55

KPD

2709

Splitterparteien

190

 

Auf dem Gelände des Straßenbahndepots wurde ein Zweifamilienhaus für Betriebsangehörige fertig gestellt.

Im Ammendorfer Turnverein wurde eine Handballabteilung gegründet. Auch ein Spielmannszug wurde zusammengestellt. Die Faustballmannschaft wurde Bezirks- und Gaumeister. Otto Blechschmidt wird Gaumeister im Schlagballweitwurf und wird 3. bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover. Im Zehnkampf siegt er im Verlaufe des Jahnturnens in Halle.

Dr. Hermann Traus wird Generaldirektor der Gottfried Lindner AG.

 


1925

 


01.01.

 


Der Betriebsdirektor der Hugo Stinnes Riebeck Montan- und Oelwerke Gustav Heckmann begeht sein 25 jähriges Dienstjubiläum bei der Firma.

 

 


02.01.

 


Zu 
Ehren des Jubilars Gustav Heckmann wird in der Broihanschenke zu Beesen ein Bierabend durchgeführt, an dem 121 honorige Gäste aus Halle und Ammendorf teilnehmen.