Zeittafel von Ammendorf

1900 bis 1969

 


1900

 


01.01.

 


Das Bürgerliche Gesetzbuch tritt in Kraft (BGB).

Die Kutschenfabrik „ Gottfried Lindner“ wird nach Ammendorf verlegt.

Ein Unglück in der Regensburger Straße (ein Zug stößt mit einem Pferdefuhrwerk zusammen) führt dazu, dass die Straße unter der Eisenbahnstrecke durchgeführt wird.

Die Mühle wird von Herrn Voigt aus Tangermünde wieder aufgebaut

Die AEG Berlin beginnt mit dem Bau der Straßenbahnlinie Halle- Merseburg im Abschnitt Artilleriekaserne Halle- Ammendorf und dem Betriebsbahnhof Ammendorf.

 


1901

 


27.05.

 


Weihe der provisorischen Notkirche im Garten des Grundstückes Siebenhufenstraße 2. mit der Namensgebung „Maria von der immerwährenden Hilfe“. Diese Kirche wurde auf einer Grundfläche von 16 mal 8 m errichtet. Vikar August May betreut die katholische Gemeinde. (Radewell, Osendorf, Burg, Ammendorf, Beesen, Planena, Döllnitz, Lochau, Burgliebenau und Schkeuditz) in den Jahren 1909 bis 1914 durch Vikar Rhode und 1914-1917 durch Vikar  Kirchberg.

Es entsteht der „Arbeitergesangsverein Ammendorf“. Ein gemischter Chor.

Am 20.Gauturnfest in Merseburg nehmen 22 Ammendorfer Turner teil.

An der Ammendorfer Schule wird der östliche Flügel angebaut. Kosten 16 000 M.

Alfred Nitter eröffnet in der Poststraße in Radewell das Gasthaus und Gartenlokal zum „Deutschen Kaiser“.

 


1902

 


15.03.

 


Nach der landespolizeilichen Abnahme wird der Straßenbahnverkehr zwischen Halle und Ammendorf eröffnet.

Die Chemische Fabrik „ Julius Jakob“ (Siebenhufenstr.), die Stärkefabrik „ Friedrich Drucklauf" (Schachtstr.) nehmen ihre Tätigkeit auf.

 

 

 


14.04.

 


Der Straßenbahnverkehr nach Schkopau wird vor der Gaststätte „Zum Elsterthal“ feierlich eröffnet.

 

 

 


10.05.

 


Die Überlandbahn Halle-Merseburg (MÜBAG) wird eröffnet. Die Strecke ist 15 km lang. Der Fahrpreis Halle – Merseburg betrug 40 Pfennige. Die Zahlgrenzen lagen am Rosengarten (Stadtgrenze Halle), am Gasthof „Zum Elsterthal“ in Ammendorf und in Schkopau an der Gaststätte „Zum Deutschen Kaiser“

Eduard Dittrich beging sein 30 jähriges Amtsjubiläum als Gemeindevorsteher von Ammendorf.

 


1903

 

 

 


In diesem Jahr gab es in Ammendorf schon 15 Straßennamen (Bahnhofstraße, Beesener Straße, Elsterstraße, Feldstraße, Hallesche Straße, Hauptstraße, Hopfenberg, Kurze Straße, Lange Straße, Lindenstraße, Mittelstraße, Schachtstraße, Schulberg, Talweg und  Wörmlitzer Straße.

Die Radeweller Kirche wird renoviert. Dabei wird der aus der Gründerzeit stammende Taufstein entfernt.

Die beiden Gebäude der Radeweller Schule werden mit einem Zwischenbau verbunden. Die Seite zur Straße erhielt auf der Fassade eine auffällige aber schöne Sonnenuhr. Nun konnte der Schulbetrieb in der alten Schule eingestellt werden.

Die Eisengießerei „E. Chr. Prinzler“ (Grauguß in Stücken bis 30 t, 3 Kupolöfen mit 12 t Guß pro Stunde; 200 Arbeiter) entsteht Der Standort ist in der heutigen „Horst-Heilmann-Str.“.

Die Fabrik Gottfried Lindner beginnt mit der Fertigung von Güter- und Personenwagen für die Eisenbahn. In den Jahren zuvor wurden bereits elektrische Straßenbahnen gefertigt.

 


1904

 

 

 


Die Ammendorfer Seilfabrik GmbH
(Eisenbahnstr.) geht in Betrieb.

In der Eisenbahnstraße nimmt die Kesselfabrik „Leo Feger & Co GmbH“ die Produktion auf.

Der TV Ammendorf zählt 22 Turner und 5 Zöglinge.

 


1905

 

 

 


Gründung der „Gebrüder Hartmann Chemische Fabrik Halle-Ammendorf“(Druckfarben, Merseburger Straße). Sie übernahm das Gebäude der Fabrik für chemische Düngemittel, die in den 70er Jahren entstanden war und zuletzt Schulze & Schreiner gehörte.

Die Ammendorfer Kirche erhält eine Orgel mit 15 Registern.

Der Tagebau „Hermine-Henriette“ (heute Osendorfer See-Kanu-Stützpunkt) wird erneut durch das Hochwasser des Reidebachs geflutet. Nachdem die Wässer gehoben wurden und die Aufräumungsarbeiten abgeschlossen waren, wurde ein 96 m langer, 1,25 m breiter und 4 m hoher Hochwasserschutzdamm errichtet.

Die Wehrpflicht wird auf zwei Jahre festgesetzt.

Auf dem Radeweller Friedhof, der eine Größe von 20 ha besitzt, findet die erste Beisetzung statt.

Die Turnwarte Hermann Valentin und Arthur Möbus und einige andere Sportler des TV Ammendorf  fahren nach Altenburg zum 8. Kreisturnfest.

Die Wagen- und Waggonfabrik Gottfried Lindner wird in eine AG umgewandelt.

Eduard Dittrich legt das Amt als Gemeindevorsteher altershalber nieder. Im Rahmen der offiziellen Verabschiedung, an der der Königliche Landrat von Krosigk teilnahm, wurde E. Dittrich zum Ehrenbürger von Ammendorf ernannt. Nach E. Dittrich wird Oberwachtmeister a. D. Leutnant Reinhardt Gemeindevorsteher in Ammendorf.

 


1906

 

 

 


Auf der Grube „von der Heydt“ wird mit dem Abbau der Kohle im Tagebau begonnen.

25 Turner des TV Ammendorf nehmen am 22.Gauturnfest in Keuschberg-Dürrenberg teil. In der Septemberversammlung des TV werden von Gustav Große die Sieger geehrt.

Ihre Namen sind nicht mehr bekannt.

 

 


20.11.

 


Bei der Tieferlegung der Toilettengrube auf dem Grundstück des Frisörs Leibner in der Regensburger Straße, in Osendorf, wurde ein Fränkisches Skelettgrab (Ende des 5. Jahrhunderts) gefunden. Als Grabbeigabe wurde ein Schmuckstück aus Weißmetall geborgen.

 

 


Dez.

 


Die Tagesanlagen der Grube „von der Heydt“ wurden modernisiert. Es wurden ein neues Kesselhaus und eine elektrische Kraftzentrale errichtet und der Grubenbahnhof vergrößert.

Im Verlaufe des Jahres nahm Otto Schroeter in Beesen seine Tätigkeit als Lehrer auf.

Die Badeanstalt Bad Elstermühle im Mühlweg ist  im Sommer und im Winter in Betrieb. Angeboten werden Fluss-, Wellen-, Wannen-, Brause-, Sol- und  medizinische Bäder aller Art.

 


1907

 


25.01.

 


Reichstagswahl.

Das Wahlergebnis sieht wie folgt aus (Angabe in Stimmen):

 

 

Bürgerliche

Sozialdemokraten

Ammendorf

263

375

Beesen         

109

181

Planena

10

11

Radewell (Burg)

109

323

Osendorf

34

206

Summe

525

1096

%

32

68

 

 

 

 

 


Die Hauptkanalisierung mit einem Netz von 10 km Länge wird gebaut. Bis zum Jahr 1911 entstehen auch Kläranlagen für Industrie- und Wirtschaftsabwässer.

Teichmanns Restaurant mit Weinstube, Cafe´ und Hotel wird eingeweiht.

In Kanena findet das 1. Bezirksturnfest statt. Der Turnverein Ammendorf stellt 22 Teilnehmer, davon 8 Wettkämpfer. Als Sondervorführung turnt eine Barrenriege des Vereins.

Otto Wilde, Johannes Möbus und Otto Freitag kommen als Sieger heim. 

An der Ammendorfer Schule wird die nördliche Verlängerung (heute linker Flügel) angebaut. Baukosten 40 000 M. Hier wird die Fortbildungsschule untergebracht (später Gewerbe- oder Fachliche Berufsschule).

Die Firma Drucklauf errichtet eine Dextrinfabrik und vergrößert 1912 die Stärkefabrik.

In Beesen wird der Fußballverein „Germania Beesen 07“ gegründet. Später gibt es noch den Verein „Vorwärts Beesen“.

 

 


12.09.

 


Die „Saale Zeitung“ schreibt:

„Aus Ammendorf. Gestern verstarb hier plötzlich im Alter von 71 Jahren der frühere Gutsbesitzer und Gemeindevorsteher Eduard Dittrich. Er war der letzte Gemeindevorsteher, der dieses Amt ehrenamtlich verwaltete.  Über ein volles Menschenalter vom 14. Dezember 1872 bis zum 1.April 1904 stand er mit klarem Blick und großem Verständnis der Gemeindevertretung vor. Unter seiner Amtstätigkeit hat sich Ammendorf von dem kleinen unbedeutenden Dorfe mit 300 Einwohnern zu dem blühenden, 3 000 Seelen zählenden Vororte entwickelt. Hand in Hand mit der Entwicklung Ammendorfs ging seine Umwandlung zum Industrieort. Die meisten und größten industriellen Betriebe sind während der Amtsperiode Eduard Dittrichs erstanden. Die Erschließung neuer Straßen, die Versorgung Ammendorfs mit Wasserleitung, Erbauung der Fernbahn Halle – Ammendorf – Merseburg sowie die Versorgung der Wohnhäuser mit elektrischem Licht fallen ebenfalls in diese Zeit. Der Verstorbene hat sich somit um den Aufschwung Ammendorfs große Verdienste erworben. Die Gemeinde erkannte dies auch dankbar an, indem sie ihren langjährigen Gemeindevorsteher bei seinem Ausscheiden aus dem Amte zu ihrem Ehrenbürger ernannte. Gemeindevorsteher Dittrich war auch sechs Jahre lang als Kreisausschussmitglied für das Wohl seiner Gemeinde tätig. Die Ammendorfer Liedertafel zählte ihn zu ihren Ehrenmitgliedern. Der alte joviale Herr war überall geachtet und beliebt. Sein Andenken wird allezeit in Ehren gehalten werden. Er war Träger des „Allgemeinen Ehrenzeichens mit Kreuz“.

 

 


02.10

 


22 Uhr 20 entstand im Stallgebäude der Broihanschenke in Ammendorf,  Beesener Straße, ein mittelschweres Schadenfeuer. Durch das schnelle Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr Ammendorf und der wenige Minuten später eintreffenden Fabrikfeuerwehr der       Gottfried Lindner AG wurde verhütet, dass der Brand sich weiter ausdehnte. Bei den Löscharbeiten wurde der 30jährige Ammendorfer Reinhold Liebig am linken Arm verletzt.

 


1908

 

 

 


Eine große und eine kleine Glocke für die Radeweller Kirche werden gegossen.

20 Turner, darunter 10 Wettkämpfer, des TV Ammendorf  fahren zum Gauturnfest nach Lauchstädt. Arthur Möbus, Alfred Bieder, Fritz Opfermann und Otto Freitag sind erfolgreich.

 

 


August

 


Es fand ein Sommerturnen in Ammendorf statt. An ihm nahmen teil der Allgemeine TV Halle, TV Döllnitz, Radewell, Osendorf und Delitz a.B. Diese Veranstaltung wurde nun fast alljährlich unter dem Namen Abturnen mit den aufgeführten Vereinen durchgeführt. Meistens wurde aber der Tag des Erntedankfestes dazu festgelegt.

Radeweller Rohpappenfabrik GmbH (Bäumchenstr.,  jetzt Jonny-Scheer-Str.) nimmt ihre Tätigkeit auf.