Martinstag

Die Legende vom heiligen St. Martin geht zurück auf die Geschichte des Soldaten Martin. In einen warmen Mantel gehüllt ritt er eines Nachts bei Schnee und Eis, als ihn ein Bettler ohne Kleidung um Hilfe bat. Man sagt, er habe mit seinem Schwert seinen Mantel in zwei Teile geschnitten und dem Bettler die Hälfte abgegeben.

Heute verbinden viele Kinder den Martinstag mit einem fröhlichen Laternenumzug, Martinsfeuer und leckeren Martinshörnchen, die man miteinander teilt.

Im Mittelalter aber beendete man am 11.11. das bäuerliche Arbeitsjahr. Die Bauern verkauften ihre Ernten, zahlten den Pachtzins, kauften Saatgut und neues Vieh. Es gab große Schlachtfeste, natürlich auch mit der noch immer bekannten Martinsgans, und es wurde viel gefeiert.

Überliefert ist, dass die Halloren auch einen eigenen Brauch zum Martinstag pflegten. Wenn die Kinder, als "Martinsmasken" verkleidet, mit ihren Laternen umherzogen, erhielten Sie Kleinigkeiten, z.B. Würstchen, geschenkt.

Sie stellten auch am Martinstag Krüge mit Wasser in die Siedehütten. Ihre Väter tauschten das Wasser gegen Most und versteckten die Krüge zusammen mit Martinshörnchen. Mit dem Spruch

"Marteine, Marteine, mach das Wasser zu Weine."

beschworen die Kinder den Heiligen Martin, das Wasser in den Krügen in "Wein" zu verwandeln, während sie die versteckten Köstlichkeiten suchten.

Wenig bekannt ist das Lied, dass die Hallorenfrauen gesungen haben sollen, begleitet vom Rummelpott (auch Brummtopf genannt; rummeln = poltern; ähnelt einer Trommel):

Wann der heilge Sankt Martin will der Bischofsehr entfliehn,
sitzt er in dem Gänsestall, niemand findt ihn überall,
bis der Gänse groß Geschrei seine Sucher ruft herbei.

Nun dieweil das Gickgackslied diesen heilgen Mann verriet,
dafür tut am Martinstag man den Gäsen diese Plag,
daß ein strenges Todesrecht gehen muss über ihr Geschlecht.

Drum wir billig halten auch diesen alten Martinsbrauch,
laden fein zu diesem Fest unsre allerliebste Gäst
auf die Martinsgänslein ein bei Musik und kühlem Wein.

 

Im 21. Jahrhundert erinnert man in verschiedener Weise an den Heiligen Martin.

Während für den Einen am 11.11. einfach nur die Zeit des bunten Verkleidens und der Maskerade (gen. Fasching) beginnt, steht für den Anderen der traditiionelle Wert des Teilens im Vordergrund. Die Menschen spenden Kleidung und Nahrung oder Zeit an die, die wenig oder nichts haben.

Die Kinder ziehen mit ihren bunten Laternen durch die Straßen. Am Vorabend backen die Eltern mit ihren Kindern kleine Martinshörnchen, um sie im Kindergarten und in der Schule mit den anderen Kindern zu teilen. Mit kleinen Theaterstücken wird ihnen hier oder auch beim Gottesdienst der Brauch erklärt.

Was auch immer Sie mit dem Martinstag verbinden, nutzen Sie die vielen Gelegenheiten, trotz der frühen Dunkelheit Zeit mit anderen zu verbringen, miteinander zu reden, zu essen, das Eine oder Andere zu teilen und einander zu helfen.

 


Hinweis:
Teile des Beitrags stammen aus: Karin Schubert, Was man im alten Halle kochte.